wußte die Unhaltbarkeit meiner Ehe ſo deutlich dar⸗ zuthun, er wußte es mir ſo klar auseinanderzuſetzen, welch Verdienſte ich mir um Rudolph ſelbſt und ſeine künſtleriſche Laufbahn erwürbe, wenn ich ihm ſeine Freiheit wiedergäbe, daß ich den Gedanken einer Trennung, der mich anfangs mit Entſetzen erfüllt hatte, allmählig ruhiger erwägen lernte.
Rudolph ſelbſt beförderte dieſe unglückliche Eut⸗ wickelung. Als ich eines Tages bei einer der hefti⸗ gen Scenen, zu denen er ſich leider immer häufiger hinreißen ließ, und die ich mit immer weniger Ge⸗ duld aufnahm, in der Heftigkeit des Streites ein Wort fallen ließ, das auf die Möglichkeit einer Schei⸗ dung hindeutete, verſetzte ihn dies in eine ſo furcht⸗ bare rohe Wuth, daß der halbe, farbloſe Gedanke in meinem Innern nun erſt recht Geſtalt und Leben gewann.
Bald hatte er mein ganzes Daſein umſponnen; ich mußte los von Rudolph, auf alle Weiſe und um jeden Preis. An die Möglichkeit einer derein⸗ ſtigen innigeren Vereinigung mit Hermann dachte ich dabei nicht; er war mir zu theuer, ich hatte ihn zu lieb, als daß ich ihm dies gebrochene, müde, ver⸗ bitterte Weib hätte zur Gefährtin wünſchen mögen, das ich jetzt war. Vielmehr beſchränkte meine ganze


