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leider, beſtochen durch die Meinung der Welt, von ihren übrigen Eigenſchaften minder günſtig urtheilte. Vergebens ſtellte ich ihm vor, wie flüchtig mein Verkehr mit der Dahingeſchiedenen geweſen und wie ſchwer ſie ſelbſt ihre Verirrungen(wenn doch einmal
von dieſen Verirrungen unter uns die Rede ſein ſollte) gebüßt hatte; er widerſprach mir nicht, er leugnete nichts, aber der düſtern Gluth ſeiner Blicke ſah ich an, wie er dachte und daß er es in der Stille des Herzens gar nicht ſo unwahrſcheinlich fand, es möchte von dem lockeren Blut der Schauſpielerin auch etwas auf ihre Tochter übergegangen ſein. Ich habe keine Aus⸗ drücke dafür, wie ſehr ich mich gerade dadurch gekränkt und beleidigt fühlte; was auch auf dem Andenken meiner unglücklichen Mutter laſtete, es war meine Mutter und gerade mein Gatte mußte der Erſte ſein, ſie zu vertheidigen. Oder wenn er dies nicht konnte, gut, ſo mußte er wenigſtens den Schleier der Vergeſſenheit darüber ausbreiten und nicht das Herz ſeines Weibes quälen und martern mit Erin⸗ nerungen und Anſpielungen, die mir Thränen der Scham und des Zornes in die Augen triehen. In ſolchen Momenten haßte ich Rudolph— haßte ihn mit einer Kraft und Innigkeit der Seele, die mir leider zu edleren Empfindungen mangelte.


