Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
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Rudolph den Keim doch wohl in ſich ſelbſt, wenn ich auch dabei wieder einräume, daß die trübe, fro⸗ ſtige Atmoſphäre, in welcher ich ihn erhielt, die Ent⸗ wickelung derſelben weſentlich befördert hat.— Ru⸗ dolph war ſehr reizbar und ſehr rückſichtslos in der Art und Weiſe, wie er ſeine Gereiztheit an den Tag legte. Die angeborene Eckigkeit und Schroffheit ſei⸗ nes Weſens trat in ſolchen Momenten des Zornes und der leidenſchaftlichen Erregung in wahrhaft be⸗ ängſtigender Weiſe hervor; er konnte dann nicht nur ausſehen wie ein Tiger, er war es auch wirklich und ach wie oft und unter wie viel tauſend Thrä⸗ nen verwünſchte ich die jugendliche Eitelkeit, die mich zuerſt verführt hatte, mit dieſem Tiger zu ſpielen!

Rudolph war ferner ſehr argwöhniſch und miß⸗ trauiſch oder wurde es doch wenigſtens in meinem Umgang. Schon als ich ihm, in der Faſſungsloſigkeit meines erſten Schmerzes, mein Verhältniß zu Flo⸗ rinen oder unter welchem Namen er ſie kannte, zu der ſchönen Iſabella enthüllte, war eine Umſtimmung mit ihm vorgegangen, welche, ſo flüchtig ſie war, von mir doch nicht völlig unbemerkt blieb. Es ver⸗ ſtimmte und beunruhigte ihn, mich in ſo genauen Beziehungen zu wiſſen zu einer Frau, deren hohe künſtleriſche Eigenſchaften er bewunderte, während er