Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
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fertige, gefallſüchtige Geſchöpf, zu dem man mich ſo gern hatte machen wollen?— Daß meine Gefühle für Rudolph nicht von der Wärme, die er von ſeiner Braut wohl zu fordern berechtigt war, das hatte ich ihm ſelbſt geſtanden und er ertrug es mit der Ergebenheit eines liebenden und hoffenden Herzens. Aber durfte ich ihm auch ſagen, daß ich einen Andern liebte? Und wer war dieſer Andere, der da ſo fern her aus dem Dämmer der Vergangenheit, aus dem fernen fabelhaften Indien auftauchte? Viele Monate waren vergangen, ſeit Hermann den Brief abgeſandt; welche Schickſale konnten inzwiſchen nicht ihn ſelbſt ereilt, welche Veränderungen ſich mit ſeinem eigenen Herzen zugetragen haben?!

Daß dies Letztere ein nichtiger Einwand, fühlte ich ſelbſt in dem Angenblick, da ich es dachte. Aber dem Herzen, das ſich ſelbſt belügen will, iſt jeder Vorwand genehm und ſo beruhigte auch ich mich bei der Möglichkeit, daß Hermann's Brief wohl nur die Frucht einer vorübergehenden Aufwallung, vielleicht gar nur eines ſtrengen, freudloſen Pflichtgefühls und daß die ſchönen Töchter Albions wohl bald im Stande ſein würden, ihn über den Verluſt ſeiner armen, thörichten Jugendliebe zu tröſten. Ich dachte—

Oder nein, die Wahrheit zu ſagen, dachte ich