Und dann noch ein zweiter böſer, böſer Fehler, ja mehr noch als ein Fehler, ein Verbrechen gegen nich ſelbſt und meine Mitmenſchen: es fehlte mir au richtigen Muth zur richtigen Zeit, ich hatte die Kraft nicht, das Recht meines Willens gegen Ein⸗ lüſſe zu behaupten, die an ſich ſelbſt vollkommen löblich und unſträflich ſein mochten, die aber doch niemals da entſcheiden durften, wo die Entſcheidung allein der freien, wohlgeprüften Wahl des eigenen Herzens gebührte. Auch dieſe Muthloſigkeit, habe ich mich ſpäter überzeugt, iſt weit verbreiteter als die Meiſten ahnen und wiſſen, auch diejenigen nicht aus⸗ genommen, die ſelbſt daran leiden. Man klagt ge⸗ wöhnlich nur über Trotz und Eigenſinn und arbeitet bei der Erziehung in der Regel nur dahin, den Willen der Kinder zu brechen; es käme darauf an, zu verſuchen, ob nicht beſſere Menſchen erzogen und glücklichere Schickſale gegründet würden, wenn man es ſich in Gegentheil ange⸗ legen ſein ließe, die Willenskraft des jugendlichen Gemü ches zu ſtärken und ihm Ehrfurcht einzuflößen vor der Stimme ſeines eigenen Innern. Ausgerottet, das verſteht ſich, würden Irrthum und Schuld und Leidenſchaft und Thorheit auch dadurch nicht werden: denn ſie ſind ein allgemeines menſchliches Erbtheil: aber wenigſtens jene elendeſten aller Verbrechen würden ſne werden,
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