Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
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Hauſe neben einander gelebt? Wie hätte ich es ertra⸗ gen ſollen, tagtäglich herabgewürdigt zu werden vor den Augen meines eigenen Kindes? Ja Du ſelbſt, wie hätteſt Du den Blick jemals mit Liebe zu mir aufſchlagen, je ein Wort der Achtung, des Vertrau⸗ ens an mich richten können, wenn Du von früh an geſehen hätteſt, wie dieſer Mann, den ich haſſe und verachte mit aller Gluth meines Herzens und haſſen und verachten werde, weit hinaus über Gefäng⸗ niß und Grab— wenn Du, ſage ich, geſehen hätteſt, wie er mich Tag für Tag und Stunde für Stunde, allein und vor Zeugen, zum Gegenſtand ſeiner bos⸗ hafteſten Verdächtigungen, ſeiner Anklagen und Beſchim⸗ pfungen machte? Denke Dich in meine Lage, überlege die Verhältniſſe und Du wirſt einſehen, daß ich am beſten gethan, indem ich handelte, wie ich that. Die Mutter ſelbſt habe ich Dir nicht erhalten können, ſo iſt Dir doch wenigſtens die Liebe zur Mutter ge⸗ blieben; würde dies geſchehen ſein, wäre es möglich gewe⸗ ſen unter jenem unſeligen verpeſteten Dach? O in der That,“ rief ſie, indem ihre Augen leuchteten wie die Augen einer Tiegerin, die im Begriff iſt ſich auf ihr Opfer zu ſtürzen:„hätte ich jenes Haus nicht ver⸗ laſſen, es wäre mir ja nichts übrig geblieben, als erſt mein Kind zu tödten und dann mich ſelbſt!“

1856. X. Helene. III.— 3