ſtaat behängen und habe Roſen der Jugend und der Freude auf meine Wangen lügen müſſen, wäh⸗ mir das Herz innerlich krank war zum Zerbrechen. Das iſt nun ſo unſer Loos: die ganze Welt iſt eine Welt der Lüge und wir ſind ihre eigentlichen Prieſter.“
Während ſie ſo ſprach, ordnete ſie ihren Anzug und bediente ſich der verſchiedenen Wäſſer und Wohl⸗ gerüche, der Schminken und Salben mit einer Ge⸗ wandtheit, die meine ganze Bewunderung erregte. Bald war jener Zug von Müdigkeit, der mich einige Stunden zuvor ſo ſehr beängſtigt hatte, aus ihrem Antlitz verſchwunden, das Auge glänzte, die Haut war friſch und duftig und wieder trat ſie einher wie geſtern Abend, umfloſſen vom Faltenwurf ihres ſchweren ſamm⸗ tenen Gewandes, ſtolz und gebietend wie eine Königin.
Darf ich meine Schwäche bekennen? So natür⸗ lich dieſe Verwandlung war, ſo machte ſie doch auz mich einen höchſt unheimlichen Eindruck; mit verſtärk⸗ ter Gewalt drängte ſich mir die Empfindung auf, als ſei dies gar die Frau nicht mehr, die in Schmerz aufgelöſte, in Thränen zerflicßende Frau, die mich geſtern Nacht an ihren Buſen gezogen und mir erlaubt hatte, ſie mit dem heiligen Mutternamen anzureden. Die jetzt vor mir ſtand, war eine große Künſtlerin, eine glänzende geiſtreiche Frau, die gefeierte Schönheit


