12 ſtanden, wie es bei Herrn Nonnemann und meiner Mutter der Fall war. Im erſten Augenblick über⸗ raſchte es mich lebhaft, daß Herr Nonnemann ſelbſt, der doch ſonſt nichts zu verſchweigen pflegte, was irgend dazu dienen konnte mich zu kränken und zu beſchämen, dieſes Verhältniſſes gegen mich niemals erwähnt. Aber erwähnte er denn meiner unglück⸗ lichen Mutter überhaupt jemals, es wäre denn mit halben Worten und dunkeln Andeutungen, die irgend etwas Ungeheures, Unſagbares vermuthen ließen? Auch war ja das Martyrium, mit dem er ſich vor den Leuten brüſtete, jedenfalls noch viel drük⸗ kender und bemitleidenswerther, wenn es die leib⸗ liche Schweſter verſchuldet hatte, als wenn es nur ein angeheirathetes Kind war, das dieſes Elend und dieſe Schmach über die Familie gebracht; dieſe
Art der Heuchelei lag ganz in dem Charakter des
unſeligen Mannes und erklärte ſich die Zurückhaltung, welche er über dieſen Punkt beobachtet hatte, daraus zur Genüge.
Im Uebrigen war Alles ziemlich ſo, wie Emil es mir in jener Nacht nach dem Tode des alten Herrn von Eberſtein aus Vorwitz oder Schadenfreude vertathen hatte. Meine Mutter, jung, ſchön, leiden⸗ ſchaftlich, hatte ſich dem ſtrengen Regiment nicht


