Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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ſollte eher kommen, als die gute Gräfin für mög⸗ lich gehalten hatte. Es lebte damals in der Haupt⸗ ſtadt, wie ich theils aus den Journalen erſah, theils auch aus den Erzählungen der alten Gräfin vernahm, eine der gefeiertſten Künſtlerinnen der Zeit, eine Schau⸗ ſpielerin, gleich groß im Tragiſchen wie in der heitern Muſe. Sie konnte nach dem, was ich über ſie hörte, nicht mehr in der erſten Blüthe der Jahre ſtehen; doch ſtimmten alle Schilderungen darin überein, daß ſie den Namen der ſchönen Iſabella, unter dem ſie weit und breit bekannt war, noch immer mit vollſtem Rechte fuͤhrte. Es ſollte ein bezauberndes Weib ſein: ſchön, geiſtreich, blendend, Meiſterin in allen Künſten der Coquetterie, von raſchem und feurigem Charakter, dem ſelbſt ihre Feinde gewiſſe großartige Seiten nicht abzuſprechen wagten. Ihre Kunſt— ſie war bei der Hofbühne engagirt— liebte ſie leidenſchaftlich und dies war wohl auch der Grund, weshalb ſie von den zahl⸗ reichen und zum Theil höchſt glänzenden Anträgen, die ihr von den verſchiedenſten Seiten her gemacht worden waren, keinen angenommen und ſich ſtets jene Un⸗ gebundenheit bewahrt hatte, die nicht nur ihrer künſt⸗ leriſchen Stellung, ſondern, wie es ſchien, auch ihrer eigenen perſönlichen Neigung und der Heftigkeit ihres Temperamentes am beſten entſprach.