Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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mit welchem Graf Waldemar ſeinen Junggeſellenhaus⸗ halt führte, ſowie das Aufſehen, das er dadurch erregte ſelbſt bis zu den allerhöchſten Herrſchaften hinauf. Man mußte ſie ſehen in ſolchen Angenblicken, meine gute Gräfin, wie ſie das ſüße Gift behaglich einſog, um einen Begriff von der Tiefe ihrer Mutterliebe zu bekommen— aber freilich auch von der etwas abſonderlichen Weiſe, in welcher ſie dieſelbe bethätigte.

Merkwürdig dabei und ein neuer Beweis von der ſeltenen Verſtandesklarheit, welche dieſer Frau bei allen ihren Seltſamkeiten und Schwächen inne⸗ wohnte, war, daß ihr niemals der geringſte Wunſch kam, dieſes glänzende Treiben des geliebten Sohnes mit eigenen Augen kennen zu lernen. Sie liebte überhaupt Ruhe und Bequemlichkeit und war daher auch keine Freundin von häufigen Ortsveränderun⸗ gen. Schon dieſer Umſtand würde ſie abgehalten haben, die ziemlich entlegene Reſidenz mit ihrem Beſuch zu beehren. Doch kamen noch allerhand audere Gründe dazu.

Zum Beiſpiel— Gräfin Reichenau dachte und fühlte ſich ſelbſt vollkommen wie eine Fürſtin und auf ihren Gütern, in Mitten einer Dienerſchaft, von der ſie angebetet, einer Bevölkerung, von der ſie aufrichtig geliebt ward, war ſie es auch wirklich.