Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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Was ſollte ſie denn alſo in der Reſidenz? Was ſollte ſie in der Nähe eines Hofes, den ſie, wenn ſie einmal in der Hauptſtadt war, natürlich nicht ignoriren konnte und der denn doch immer der regie⸗ rende Hof blieb, während ſie nur Gräfin Reichenau war?— Nein, nein, überlaſſen wir das dem jungen Geſchlecht, überlaſſen wir es dem Grafen Waldemar, bei Hofe aufzuwarten und in Entzücken zu gerathen über einen Blick oder wohl gar ein Lächeln, das die allerhöchſten Herrſchaften ihm zuwerfen. Er iſt jung und hat alſo das Recht thöricht zu ſein; wenn er dereinſt älter und zu voller Selbſtändigkeit gelangt ſein wird, wird er auch die Nichtigkeit dieſes Trei⸗ bens einſehen und wird fühlen, was ein Graf Rei⸗ chenau, einer der erſten Standesherren der Monar⸗ chie, ſich ſelbſt dem Hofe gegenüber ſchuldig iſt. Aber der Hanptgrund blieb doch immer, daß ſie ſich ſelbſt im Stillen ſagte, das Treiben ihres Sohnes, wel⸗ ches ſie von der Ferne aus ſo ſehr bewunderte, möchte in der Nähe doch wohl einen etwas andern Eindruck auf ſie machen. Wenigſtens pflegte der alte Rittmei⸗ ſter, der, nach der Weiſe ſolcher alten überzähligen Anverwandten, für die kleinen Schwächen der Grä⸗ fin ſowie des ganzen gräflichen Hauſes ein ſehr ſcharfes Auge hatte und auch ſeinen Bemerkungen