Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

37

noch hatten die Geiſter keinen Theil an mir: die fri⸗ ſchen blühenden Geſichter der beiden Jünglinge, die neben mir heranreiften, Emil's muthwillige Streiche, das immer gleich freundliche, immer offene, klare Antlitz ſeines Bruders dienten mir zum Zeugniß dafür und aus voller Seele beſchloß ich, die trüben Schleier zu zerreißen und abzuſchütteln, die meine Sinne umwölkten, und unbefangenen Herzens den Augenblick zu haſchen, der ſich uns darbot.

Ein beſonders tiefes Bedürfniß empfand ich namentlich, mich mit Hermann, dem älteren und geſetzteren der beiden Brüder, zu verſtändigen. Man erinnert ſich, daß in Folge der kühlen, phlegmatiſchen Art, mit welcher er meine Phantaſtereien(wie er ſie nannte) aufgenommen hatte, eine Art von Verſtim⸗ mung zwiſchen uns getreten war, die unſer ſonſt ſo herzliches Verhältniß zu zerſtören drohte. Dieſe Ver⸗ ſtimmung wollte ich entfernen, ich wollte beſonnen, aufmerkſam und verſtändig ſein, wie er mich wünſchte, und mir durch ein heiteres, unbefangenes Weſen ſei⸗ nen Beifall erwerben. Lache man doch nicht über dieſen Apparat moraliſcher Entſchlüſſe und Zurüſtun⸗ gen, mit denen ich einer kurzen Ferienzeit von drei, vier Wochen entgegenging: die Gelegenheit, große Vun der Tugend zu feiern, kommt uns Gottlob