Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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die Nähe meines Oheims in der letzten Zeit wahr⸗ haft unerträglich machte. Nämlich ſo oft ich bei unſern häuslichen Mahlen oder ſonſt ſein bleiches gedunſenes Geſicht, ſeine hohe breitſchultrige Geſtalt mir gegenüber hatte, ſo trat mir unwillkürlich jener nächtliche weiße Schatten vor die Seele, der mich damals ſo fürchterlich erſchreckt, und ich mußte mir Gewalt anthun, um nicht bei hellem Tage die Au⸗ gen vor ihm zu verſchließen. Meine Sinne verwirr⸗ ten ſich immer mehr; war er vielleicht ſelbſt ein ge⸗ ſpenſtiges Weſen? Hatte Emil Recht und er war in der That nur der raſtlos umhergetriebene Schatten irgend eines längſt Verſtorbenen, dem Eiferſucht, Haß, Neid keine Ruhe ließen in ſeiner Gruft? Ja dieſe ganze Welt, die mich umgab, dieſes öde ſchweigſame Haus, mit dieſen kleinen düſtern Zimmern, dieſer trüben Stille den ganzen langen Tag, die nur durch das einförmige Picken der zahlreichen Uhren unterbrochen ward— war es nicht am Ende eine Schattenwelt? War ich nicht ſelbſt vielleicht ſchon eine Geſtorbene?2 Und Alles, was mich umgab, waren nur die blaſſen trüben Schemen einer öden, ſchweigſamen Gra⸗ besnacht? 8 Nein, nein, es war doch noch Leben in meiner Nähe, noch hielt das Grab mich nicht umfangen,