5.
neu, die Sehnſucht, etwas zu erleben, und ſollte es auch etwas Unſeliges ſein, ſo groß, daß wir ſelbſt unſern Schmerz feſthalten wie ein liebes theures Beſitzthum; wir bewahren ihn eiferſüchtig, wir ſor⸗ gen, daß er friſch bleibe und dünken uns wohl gar in der Stille den Andern überlegen, die noch nichts dem Ahnliches erfahren haben. Thörichte, und ach in ihrer Thorheit doch ſo glückliche Jugend, die mit Gewalt feſtzuhalten ſucht, was das Alter ſo gern vergeſſen möchte, und ſollte es um den Preis des eigenen Lebens ſein.
So denn auch ich. Erſt jetzt, nachdem ich ihn auf ewig verloren, glaubte ich zu fühlen, wie ſehr ich den alten würdigen Herrn geliebt hatte; erſt jetzt, nachdem ſeine hohe freundliche Geſtalt, ſein edles gütiges Antlitz meinem Auge auf ewig entrückt war, ſtand ſein Bild unabläſſig vor mir und winkte mir und mahnte mich, als ob es mir zürne, daß ich ihm meine Verehrung im Leben nicht öfter bezeigt, es nicht lieber, nicht höher, nicht heiliger gehalten; jetzt erſt, nachdem ſeine Hand auf ewig erkaltet war, nachdem kein Gruß, kein Lächeln von ſeiner Lippe mich je wieder erfreuen ſollte, jetzt erſt empfand ich, was er eigentlich an mir gethan und daß es doch im Grunde Niemand anders geweſen als er, dem


