Teil eines Werkes 
1. Band (1856)
Entstehung
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neinen Bewußtſein gegenſeitiger Zärtlichkeit, man fürchtet die Aufregung, man will dem Andern keinen Schmerz bereiten und bereitet ihm den allergröß⸗ ten: nämlich daß wir von ihm ſcheiden für ewig und haben uns von ihm nicht ſo lieben und nicht ſo viel Gutes von ihm erweiſen laſſen, wie er gekonnt hätte und ach ſo gern gewollt!

Auf unſere Freundin paßt dies nur zum Theil. Sie hatte ihre Schmerzen durchgekämpft, die Wunde hres Herzens hatte ſich geſchloſſen, ſo feſt, daß ſelbſt das Auge der Freundſchaft keine Narbe mehr entdek⸗ ken konnte. Ergebung in den Willen der Vorſe⸗ hung, unermüdliche Thätigkeit, ein durch nichts zu erſchütternde Glaube an die Zukunft, verbunden mit dem Bewußtſein der eigenen ſittlichen Läuterung, gaben ihr eine Stärke, die den Troſt der Freundſchaft entbehrlich machte.

Und das eben iſt es, wodurch dieſes Leben mir ſo merkwürdig, fo verehrungswürdig erſcheint. Iſt das menſchliche Herz unergründlich, Gottlob, ſo iſt es auch unerſchöpflich und unverwüſtlich. Wir haben vielleicht nicht die Kraft, oder haben ſie nicht immer, uns vor dem Falle zu bewahren: aber auch dem verirrten Herzen, ſo lange es ſich nicht gewaltſam gegen ſeine eigene beſſere Mahnung verſchließt, wohnt