Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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brachen ein paar Thränen. Zuletzt ſtand ſie auf einem wahren Scheiterhaufen voll brennenden Wider⸗ ſprüche. Noch ehe ſie ſelbſt recht wußte, was ſie that, hatte ſie der Haushälterin Auftrag gegeben, den Ro⸗ ſenſtock vom Fenſter zu entfernen. Dann packte ſie ihre Handarbeiten, mit denen ſie ſich zu beſchäftigen pflegte, ſo wie ihre Bücher zuſammen, und räumte ſie in ein Hin⸗ terzimmer, deſſen Fenſter in den Garten herabgingen. Zuletzt ließ ſie ſich ihren Nähtiſch nachbringen, kurz, ſie entfernte jede Spur ihres Daſeins aus dem Zim⸗ mer, zu welchem Er hinaufblickte, deſſen Brief ſie noch immer in ihrem Buſen ſorgfältig verwahrt hielt. So oft ſie ausging, hüllte ſie ihr Antlitz in einen dichten Schleier, und erſt nachdem ſie die Straße hinab war, ſchlug ſie den Schleier zurück.

Mathilde hatte einen abonnirten Platz im Thea⸗ ter. Wer beſchreibt den ſüßen Schreck, der ſie durch⸗ zitterte, als ſie eines Abends den Mann im Parterre erblickt, den ſie dort noch nie geſehen hat? Sie ſah ihm an, daß er ſie grüßen wollte, aber ihr Auge wandte ſich blitzſchnell ab. Sie ſah nur noch, wie Druck ſeine Hand vom Hute unverrichteter Sache wieder zurückzog, und im nächſten Augenblicke fühlte ſie ſo bittere Reue darüber, daß ſie über eine kleine Rührſzene, die auf der Bühne vor ſich ging, die heißeſten Thränen vergoß.

1561. X1. Junge Anfänger. U 17