231
Ein Blick unnennbarer Liebe ſtrahlte aus dem erlöſchenden Auge der Dulderin.
„Ich bin Dir treu geblieben, mein Georg—“ ſagte ſie mit leiſer Stimme, indem ſie ſich bemühte, ihre matte Hand auf ſein Haupt zu legen, während das kleine Mädchen, welches am Vortage im St. Barbara Kirchhofe an ihrer Seite geſpielt hatte, nun auf ihre andere Hand bitterlich niederweinte.
„Maria!“ rief Derfflinger,„Maria! warum muß ich Dich wiederfinden, um Dich zu verlieren— Sieh, ich habe Dir mannhaft die heiße Liebe und Treue bewahrt, die wir uns einſt zuſchworen, und was ich mir errang und erwarb im Sturme der Zeit, wollt' ich nun zu Deinen Füßen legen, und nun— wrillſt Du von mir ſcheiden, meine ſüße Liebe, mein einziges Leben, Maria, Stern meines Herzens! O giebt es denn einen Unglücklicheren als mich auf Gottes weiter Erde?— Wie ein Schiffer, der im Hafen angelangt ſein Fahrzeug ſcheitern ſieht, ſtehe ich hier, und beweine meinen Engel, der von mir ſcheidet!“
„Weine nicht, Georg,“ ſagte Maria mit ge⸗ brochener Stimme,„wir werden uns wiederſehen i Lichte, wo keine Trennung mehr ſein wird.


