tauchte und als Mitglied der Zunft eine religiöſe Weihe erhielt, die— wenn ſie nicht vom Chriſten⸗ thum ausging— eine noch ältere Sitte ſein mag; denn uralt iſt die Ordalie der Waſſerprobe, und ſchon bei den Finnländern wurde der Lehrling der Zauberkunſt auf einem Steine mitten unter einem Waſſerfalle umgetauft.
So wie nun dieſe Zunft⸗Gebräuche und In⸗ nungsgewohnheiten während des Mittelalters in ganz Deutſchland gang und gäbe waren, ſo fehlte es auch im gehäbigen Leben der gemüthlichen Oeſterreicher ob der Enns nicht an derlei feſtlichen Vorgängen, wobei Meiſter und Geſelle im traulichen Vereine bei einer Kanne des auten„Heurigen“ ſich ergötzten und dem Handwerksgebrauche auch in der Luſtbarkeit Rechnung trugen.
Ein ſolches Feſt feierten die Nadelhelden der freundlichen Landeshauptſtadt Linz an der Donau alljährlich am ſogenannten Jahrtage. Das war ein Faſtnachtsſchwank, wobei ein hiezu beſonders auser⸗ leſener hübſcher Schneiderjunge auf einem mit Sei⸗ denbändern und Flittergolde verzierten Geisbocke durch die Straßen der Stadt geführt und vielfach gehänſelt wurde. Der Zug bewegte ſich in eine bergige Waldgegend, das ſogenannte Häck bei der


