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das Tagesgeſtirn dann blutroth, aber nicht lange dauert dieſer Sommerburan. Die Jahrbücher des aſiatiſchen Nordrußlands erzählen von den traurigen Verwüſtungen des Burans im Winter; im einzigen Jahre 1827 kamen in der Saratower Steppe 10.500 Kameele, 280.000 Pferde, 13.000 Rinder und eine Million Schafe um.
Dennoch war die grauenhafte Waldesöde um dieſe nächtliche Stunde nicht menſchenleer.
Tief unten an dem öſtlichen Abhange des Gebirges, da wo himmelhohe, tauſendjährige Eichen mit ihren viel verſchlungenen Aeſten ein natürliches, mit ſchweren Schneemaſſen bedecktes Dach bildeten, ſtand auf ſeinen eiſenbeſchlagenen Alpenſtok gelehnt, ein hochſtämmiger Mann von etwa fünfundvierzig Jahren, deſſen ganzes Aeußere den Altruſſen verrieth, und deſſen kräftige For⸗ men ein mit Eisnadeln überglaster Pelzkaftan bedeckte, über welchem ein breiter Mantelſack von grauem Pelz⸗ werk und eine Jagdflinte, dann eine Kürbisflaſche hingen. Zu ſeinen Füßen lag ein großer finnländiſcher Fanghund, welcher mit ſeiner thieriſchen Wärme die Sohlen ſeines Herrn vor Erſtarrung ſchützte. Der Mann mußte lange im Gebüſche herumgeirrt ſein, denn er ſchien gänzlich er⸗ ſchöpft, und ſank jetzt an der Eiche nieder, indem er ei⸗ nigemale ſchwer aufathmete.
Jetzt griff er nach ſeiner Flaſche und that einen


