Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
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wind bis in die höchſten Stellen der Steppen empor. Oft dauert dieſes Wüthen einen ganzen Tag, häufig be⸗ ginnt er bei ſonnenhellem Wetter, wenn das Thermometer ſich bis acht oder zehn Grade Reaumur erhebt. Seinen Urſprung ſuchen Gelehrte*) damit zu erklären, daß der⸗ ſelbe eine Folge der gefrornen und in Schnee verwandel⸗ ten Dünſte ſei, welche während des Thauwetters in der Abendſpähre ruhen. Aber wehe, wenn der Buran eine Karawane ergreift! Nicht Menſch, nicht Thier vermögen dann dem Sturmchaos zu entfliehen, jede Richtung, jeder Orientirungsinſtinkt iſt da verloren; wie im Kreiſe dreht ſich Roß und Reiter, ein Zauberbann hält Alles inner⸗ halb der Schnee⸗Cyelone furchtbar gefeſſelt. Die Thiere, welche inſtinktmäßig ihre breite Seite dem Sturme ent⸗ gegenſtellen, ſtürzen oft mehrere Werſte weit fort, und zerſchmettern ſich in Klüften und Abgründen. Aber der Kirkes⸗Kaiſake wirft ſich wie der Karawanenpilger der Sahara beim Herannahen des Samums, vor dem Buran auf die Erde, und rettet ſo, oft mehrere Tage liegend, ſein Leben, denn nur ſo entgeht er dem Erfrieren in der Schnee⸗Chelone. Im Sommer bildet ſich der Buran zu⸗ weilen aus dem Sande, welchen er himmelhoch empor⸗ treibt; gleich wie bei einer Sonnenfinſterniß trübt ſich

5) Profeſſor Eversmann in Kaſan.