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Todesurtheil unterſchrieben. Sie zögerte auch diesmal. Die Feder zitterte in ihrer Hand, ſie konnte ſich nicht entſchließen, den Lebensfaden eines Menſchen mit einem raſchen Federzuge entzwei zu ſchneiden.
Da trat Fürſt Potemkin heran; er ſtellte der Kai⸗ ſerin vor, wie Jemelian Pugatew, der„große Empörer“, und ſeine Horden nicht weniger als 67 Kirchen geplün⸗ dert, eintauſend vierhundert und vier Perſonen ermordet, und hierunter Generäle, Oberſten, Stabs⸗ und andere Offiziere, Hof⸗ und andere Beamte, Kaufleute, Kinder und Greiſe, Männer und Frauen geſchlachtet und ver⸗ brannt hatte, und wie demnach der hohe Gerichtshof nach Recht und Urtheil auch die wohlverdiente Strafe erkannt habe, und der tollkühne Pſeudo⸗Czar zu Moskau daher ohne Weiteres öffentlich und lebendig geviertheilt werden müſſe.
Es war am Tage der unſchuldigen Kindlein, oder den 29. Januar des Jahres 1774 nach ruſſiſchem und der 10. nach unſerem Ritus, als auf dem ſchwarzbehan⸗ genen Schaffote vor dem Kreml zu Moskau ein großer bleicher Mann emporſtieg.
Es war Jemelian Pugakew, der Pſeudo⸗Czar, wel⸗ cher ſeinen Todesgang machte.
Schon ſtanden die ſchnaubenden Roſſe bereit, welche ſeine gewaltigen Glieder nach allen vier Himmelsgegen⸗ den zerreißen ſollten.


