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Monarchin, fordert auch mein Herz ſeine Rechte. Cza⸗
rin! Mein künftiges Lebensglück heißt: Theodora von Brand, die Nichte des Generals und Gouverneurs von Kaſan, die unglückliche Witwe des zu Niſchnaja⸗Oſernaja gefallenen Majors Charlow. Sie weilt in Kaſan— dort⸗ hin laßt mich ziehen, und Eure mächtige Hand, meine erlauchte Czarin, knüpfe das Band, welches das Glück meines Lebens bilden wird!“
Da blickte die Czarin mit tiefer Rührung auf den ſchönen Sprecher. Die Worte einer ſo innigen Liebe, welche den ſonſt ſo ſchweigſamen Lippen des gefeierten Helden jetzt wie reine Perlen einer tiefliegenden, plötzlich vom Sturme geöffneten Meeresmuſchel entrollten, machte auf das empfängliche Herz der Fürſtin einen tiefen Ein⸗ druck. Freundlich trat ſie auf Michelſon zu.
„Wer wollte ein ſo ſchönes Band nicht knüpfen,“ ſagte ſie;„wo die Macht einer ſolchen Liebe geſprochen, da bedarf es wohl des Machtwortes der Fürſtin nicht mehr.“
„Und dennoch iſt die Macht der Fürſtin nicht im Stande, den Wünſchen dieſes Edlen zu entſprechen,“ fiel hier eine volltönende Stimme ein. Sie gehörte dem Me⸗ tropoliten von St. Petersburg, welcher im Geleite der Kaiſerin jetzt hervortrat.„Eure Majeſtät vekzeihe,“ fuhr er fort,„wenn ich dem General Michelſon ein Schreiben behändige, deſſen Züge er alsbald erkennen wird.“


