6
ergänzte der Todtengräber, indem er ſich, wie die ſiegende Hoffnung auf ihrem Anker, auf den Spaten ſtützte und ſeine Hand betheuernd auf das Herz legte. Dem Blei⸗ chen ſchien das feſte Vertrauen des Todtengräbers ſehr zu gefallen, aber er wollte wohl den Starkmuth des ar⸗ men Schauflers noch weiter auf die Probe ſtellen. Er lüftete jetzt ſeinen Mantel und zog eine goldene Uhr aus ſeiner Taſche.
„Sieh' da,“ ſagte er,„das Uehrlein zwiſchen den Fingern emporhaltend, und ſein Räderwerk aufſchließend, „ſieh' da, den Menſchenkörper, ein Rad zu viel oder zu wenig, einen Stift heraus, und das Uhrwerk ſteht und bleibt ſtehen— alſo des Menſchen Leben; und wenn ich das goldene Ding da auf die Erde werfe und es zerbreche, wo iſt ſeine Pracht und Schönheit? Wer heftet mir das das Ganze wieder zuſammen?“— Dabei warf er das Uehrlein mit einiger Heftigkeit auf den Boden, daß das Gehäuſe aufſprang und der Mondſtrahl auf die dicht vergoldeten Räder des inneren Werkes blitzte.
„Der große Meiſter dort oben,“ entgegnete der Todtengräber feierlich, indem er ſeine Hand zu dem ſich immer mehr lichtenden Sternenhimmel emporhob.
„O! glaubt mir, Herr!“ fuhr er fort,„ſo wie ein Hauch des Allmächtigen genügend war, die Millionen Sonnen und Welten dort oben im weiten Himmelsraume


