Teil eines Werkes 
2. Theil (1863)
Entstehung
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Ein ſolcher Bote des Zufalls ſtand mit leuchtenden Augen in eben der Stunde der vertrauten Conferenz des Kaiſers Napoleon mit ſeinem genannten Miniſter, im Kabinette Ghiraldinens auf Iſola bella. Es war der junge, bildſchöne Oberſt Louis, genannt Graf Lenoir.

Sein Verhältniß zu dem Fräulein war ſeither zar⸗ ter, inniger geworden, er hatte die Tage, die Wochen benützt, während deren Prinz Eugen durch den wahrhaft rieſenhaften Drang ſeiner viceköniglichen Geſchäfte in Mailand feſtgehalten wurde, und Ghiraldine nur in Briefen ſprechen konnte er hatte zuerſt geſchwiegen, dann geſprochen, getröſtet und zuletzt überzeugt er hatte, ein gewandter Diplomat auf dem Felde der Cour⸗ toiſie, im Herzen Ghiraldinens Terrain gewonnen.

So wandelte die ſchöne Blume der ſchönſten Inſel des größten See's, ſo wandelte Ghiraldine wieder durch den einſamen Park der Villa. Der reine Kriſtall des Himmels verdunkelte ſich allmälig, die fernen Gebirge zitterten in einem kaum ſichtbaren Lichtſchleier, über den See zog der letzte brechende Sonnenſtrahl, und der große Hausherr begann allmälig ſeine Myriaden⸗Lämpchen auf der Rieſenkuppel ſeines Hauſes aufzuſtecken, ſeine nim⸗ mermüde Hand hob jetzt die große volle Ampel hinter dem Rade der Erdkugel empor, den alten Trabanten der Mutter⸗Erde, der eben nach ſeiner alten Gewohn⸗

Proſchko. Der ſchwarze Mann. IM. 15