Teil eines Werkes 
2. Theil (1863)
Entstehung
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mit meinem Stiefſohn fahren laſſen ſoll? Wozu ſind Sie denn Polizeiminiſter, wenn Sie ſolche Abſurditäten zur Reife gelangen laſſen?

So zürnte der Zeus in den Tuilerien mit ſeinem Miniſter; dieſer aber ſetzte dem Brüllen des Leuen nichts, als ein feines Lächeln entgegen:Sire, ſagte er ruhig, ich wäre nicht würdig der Polizeiminiſter Kaiſer Napo⸗ leons des Großen zu heißen, wenn ich nicht ſchon dort gehandelt hätte, wo Eure Majeſtät erſt überlegen

Kaiſer Napoleon blickte ſeinem Miniſter ob dieſer etwas unzarten Aeußerung feſt in's Auge der Mini⸗ ſter aber fuhr fort:Eure Majeſtät ſind der Sieger auf offenem Felde; Sie löſen, ein zweiter Alexander, den gordiſchen Knoten mit Ihrem guten Schwerte, ich knüpfe ihn mit Vorſicht auf Eure Majeſtät! ich habe nur um die Ertheilung Ihres Vertrauens zu bitten. Der ſchlaue Polizeiminiſter Frankreichs ſchien aber während dieſes vertrauten Geſpräches mit dem Dictator des be⸗ ginnenden Jahrhunderts zu vergeſſen, daß eine lieblich erblühende Roſe gewöhnlich nicht nur von einem Falter umſchwärmt wird, daß der Zufall oft plötzlich einen Bo⸗ ten ſendet, den man am wenigſten erwartet, und der die Verwicklung einer Sache oft in einer Weiſe löſt, wie man es am wenigſten vermuthet.