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die nahende Wolke, und hinter dem zurückgedrängten Schleier erblickte nun Ottowaldskh das Bild— das wahre treue Angeſicht ſeiner Roſa von Pernſtein— bleich, krank, abgehärmt, gealtert, wie es der Gang der Zeit nach vierzehn in unterdrückter Sorge um den Liebling ihrer Seele verlebten Jahren mit ſich brachte, und dunkle braune Flecken— die Merk⸗ male einer ſchwer überſtandenen Pockenkrankheit— waren nicht geeignet, die ſchwindende, ja leider ſchon geſchwundene Schönheit des armen Fräuleins wieder⸗ zubringen...
Strahlend, wie eine aufgeblühte Knospe ein zweites jugendfriſches Doppelbild der einſtigen Schön⸗ heit ihrer Schweſter, ſtand Maria von Pernſtein, die kaum zweiundzwanzigjährige Jungfrau an der Seite Roſa's.
Ottowaldsky's Blicke brannten auf ihrem Antlitze, während ein flüchtiger Kuß und trauriges Schweigen nach der erſten feurigen Begrüßung Roſa's ſcharfem Blicke ſogleich die Geſchichte von einem verlorenen Herzen erzählten...
In der That war in dem beweglichen Gemüthe Ottowaldskh's in dieſem Augenblicke ein bedeutender Wechſel vorübergegangen.— Er, der Mann des Angenblickes, der Sohn des Zufalles, und der Schick⸗


