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und das anmuthſtrahlende Bild Roſa's von Pern⸗ ſtein, ganz ſo, wie er ſie vor vierzehn Jahren in Prag an der Veitskirche zum letztenmale geſehen hatte, ſtand vor ihm— die Jungfrau war nicht gealtert, im Gegentheile ſchöner, lieblicher, friſcher ſchien ihr Auge als damals, wo ſie von dem Liebling ihrer Seele thränend Abſchied genommen hatte. Jetzt flog er voll heißer Liebe und unnennbarer Sehnſucht auf die Braut ſeines Lebens zu—„Roſa! meine angebetete herrliche Roſa, Engel meines Lebens, Du mein Ein und mein Alles,“ rief er, zu ihren Füßen hin⸗ ſinkend—„nicht mehr ein vergeſſener Bettler liege ich vor Dir, nein, der Glücklichſte der Glücklichen!“—
Aber das Mädchen zog ihre weiche Hand aus der ſeinen zurück.—„Nicht Roſa,“ lispelte ſie— „dort harret die kranke Schweſter des Mannes, dem ſie alles zum Opfer bringt, indem ſie in dieſer Stunde an dieſem Orte erſcheint.“
Ottowaldsky ſprang zitternd vor dieſer Ueberra⸗ ſchung empor,— ſchon ſtand er vor der andern Mädchengeſtalt, welche faſt ohnmächtig an der Linde lehnte, und nun mit dem durch Thränen erſtickten Ausrufe:„Mein Ernſt!“ in Ottowaldsky's Arme ſtürzte.
Der Mond trat in ſeiner vollen Schönheit durch


