270
erſtenmale in ihrem Leben ein Geheimniß, und eine hohe Röthe fuhr in ihrem Antlitze empor.
„O, wie Du fieberſt, mein armes, armes Kind,“ klagte Frau Polirena—„geh, Maria, und ſende einen Diener nach dem Magiſter Tomaſon.“
Mit einem unendlich liebevollen Blicke des Einverſtändniſſes entfernte ſich die junge Schweſter aus dem Zimmer.
Roſa von Pernſtein aber ſank mit Augen voll Thränen und einem in Fieberhitze glühenden Antlitze auf ihr Kiſſen zurück— und die herzensgute Tante Polirena jammerte wie um Hilfe zu dem ſich all⸗ mälig verdunkelnden Nachthimmel hinaus die Hände ringend:„Mein armes, armes Kind!— O Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden!“—
Vier Wochen nach dieſem Begebniſſe ließ ſich ein finſter blickender Mann, der ſeinen rechten Arm in der Binde trug, in einem Kahne vom linken Moldauufer nach einer Inſel hinüberrudern.— Er kam aus der Gegend von Eger, wo er ſein kleines, erſt vor kurzem angekauftes Beſitzthum, von ſchwe⸗ diſchen Roſſeshufen zertreten, verlaſſen hatte.
Der Mann war jener verabſchiedete kaiſerliche Oberſtlientenant, der den Hauptmann Ptichowskh aus den Fluten der Havel geriſſen hatte, und hin⸗
„


