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wenige frohe Tage in ihrem Leben zählte;— und nun ſollten auch die letzten derſelben enden, denn der einzige Sohn ſollte ſie verlaſſen, und ſchon am nächſten Tage nach dem Städtchen Krumau abge⸗ hen, wo ihn ſein Onkel erwartete.
Jetzt kniete der kleine Georg zum Kripplein hin, welches ihm die Mutter aus Tannenreiſig ver⸗ fertigt, und mit einigem Flittergolde ausgeſchmückt hatte.
Jetzt trat die gute Mutter dem Kleinen näher.
„Sieh' mein Sohn,“ ſagte ſie,„dort ruht das hei⸗ lige Kind, welches das Licht in die Welt brachte, in ſeiner Krippe— ſieh', wie ſelig alle lächeln, die es da umreih'n— das arme Kind allein begrüßt ſie mit Weinen, denn es tritt in eine Welt des Kampfes und der Entſagung, und der Schmerz der Erde erwartet es.“
Der kleine Georg betrachtete mit leuchtenden Augen das Chriſtkindlein in der Krippe und eine ſtille Thräne der Rührung träufelte auf ſeine Wange.
„Und dort, mein Sohn,“ fuhr die Mutter, auf ein Bild des Gekreuzigten an der Wand deutend fort;„ſiehe dort das Bildniß des ſcheidenden Hei⸗ landes, ſiehe, wie ſein letzter Blick ein ſanftes Lä⸗ cheln der Liebe iſt, womit er dieſe Erde verläßt.
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