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Mutter und Sohn ſchwiegen jetzt, denn ſtiller Schmerz zitterte in ihrem Auge, das beide unver⸗ wandt nach dem alten Oelgemälde an der Wand richteten, welches den heimgegangenen Vater mit ſei⸗ nem ſanften Antlitze darſtellte.
Jetzt nahm die Mutter wieder das Wort.„Mor⸗ gen alſo, mein Sohn,“ ſagte ſie,„morgen müſſen wir uns trennen. Von nun an wird der Onkel Vater⸗ ſtelle an Dir vertreten.“
„Und ich ſoll Dich verlaſſen, Mutter?“ ſagte der Knabe, ſich ſanft an den Arm der Fran ſchmie⸗ gend;„v Mutter, laß mich bei Dir bleiben, wie bisher.“
„Wie gerne, mein Georg,“ entgegnete die Frau; „aber Du zählſt nun zwölf Jahre, und wenn Du wie an Alter, alſo auch an Weisheit zunehmen ſollſt, ſo mußt Du den Herd der Mutter verlaſſen, wo Dir ohnedieß faſt nur trockene Brodkrumen zutheil werden. Alſo füge Dich darein, mein Sohn, und trage mor⸗ gen Dein Bündel nach Krumau, wo Deines Vaters Bruder Deiner wartet, und Dich weiter führen wird ins Leben, das vft gar ſchwer zu ertragen iſt, mein Sohn!“
Im Auge der guten Frau zitterte wieder eine Thräne; ſie mochte ſich wohl erinnern, daß ſie nur


