Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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Mutter! nahm jetzt der ſchöne Knabe das Wort.Mutter, wie doch der freundliche Mond auf einmal die Blätter meiner Bibel beleuchtet, als wüßte er, daß es uns armen Leuten an Oel ge⸗ bricht, um uns die Nacht zu erhellen.

Mein Sohn! entgegnete die Mutter lächelnd. Der Mondſtrahl, der Dein Buch beleuchtet, ſoll Dir ſagen, daß dieſe Blätter die Quelle alles Lich⸗ tes ſind, deſſen wir auf Erden bedürfen, und daß auch die Thaten Deines Lebens, mein Sohn, mit Sonnen⸗ und Sternſtrahlen geſchrieben ſein müſſen, wenn ſie einſt der große Richter des Lohnes würdig finden ſoll. Mein Sohn, mein einzig liebes Kleinod, o bleibe Du gut und wandle wie der Heiland unter den Menſchen, tröſtend, duldend, verſöhnend, be⸗ lehrend, ein Engel Deiner Brüder, dann wirſt Du Dein Haupt ſanft zur Ruhe legen, wie Dein biederer Vater, der in dieſer Stunde am Throne Gottes für uns betet

In des Jünglings ſchönem Auge zitterte eine große Thräne.

Ja, Mutter! rief er,wie der Heiland will ich unter den Menſchen wandeln, will lehren, trö⸗ ſten, dulden und lieben, und mein Haupt einſt ſanft zur Ruhe legen, wie mein guter Vater!