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ihr Geiſt war aufgeweckt, und ihre Unterhaltung hatte jene beſtaͤndige Munterkeit, die ſich auf ernſte Gegenſtände erſtreckt, ohne deren Wichtigkeit vermin⸗ dern zu wollen.
Nur dieſe Eigenſchaften ſind es, die einer Ge⸗ ſellſchafterin im haͤuslichen Zirkel Werth verleihen; aber Miß Mackay beſaß noch hoͤhere, die ſie zu noch hoͤheren Zwecken eigneten.
Sie war mit vorzuglicher Kraft der Seele, mit einem hellen Verſtande und Feſtigkeit des Entſchluſ⸗ ſes ausgeruͤſtet. Waͤhrend ſie ihre ſanftere und gei⸗ ſtig geringer begabte Freundin uͤber des Lairds ver⸗ aͤnderte Stimmung weinen ſah, bemuͤhete ſich dieſes ſcharfſinnige Frauenzimmer, die Natur ſeiner Krank⸗ heit ausfindig zu machen, damit ſie erfahre, ob es wirkliche Krankheit, oder irgend ein geheimer Kum⸗ mer ſey, den liebreiche Theilnahme oder kluger Rath lindern koͤnne.
Es war natuͤrlich, daß man in ſeinem Alter die Liebe mit im Spiele glaubte, und daß der Tod oder die Untreue der Geliebten die Veranlaſſung zu ſeiner jetigen Stimmung ſey; aber Miß Mackay verſtand ſich beſſer auf die Kenntniß der Seele; und da ſie ſich bald uͤberzeugt hielt, daß des Oberſten Gedanken von irgend einem peinlichen oder gefahrlichen Ge⸗ heimniß niedergedruckt wurden, ſo verſuchte ſie durch liebevolle, nie laͤſtig fallende Aufmerkſamkeit, ſeine Achtung und ſein Vertrauen zu gewinnen.
Waͤhrend eines Zeitraums von ſechs Monaten — denn ſo lange war Miß Mackay auf die drin⸗


