Teil eines Werkes 
1. Band (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

re, obwohl entfernte Nachbaren; und waren dieſe unter den lieblich duftenden Birken im Sommer, oder um die helllodernde Flamme im Winter verſammelt,

ſo erheiterte der froͤhliche Geſang oder die ernſtere

Legende, und fuͤhrte die Stunden im Fluge davon.

Beide, Bruder und Schweſter, waren jung und liebenswuͤrdig. Annie hatte ihre Anbeter, und der Laird*) ſeine artigen Freundinnen, bei denen er in Gunſt ſtand; aber weder dieſer noch jene fuͤhlte einen groͤßeren Trieb zu gefallen, als gerade zur nuͤtzlichen Belebung des geſelligen Kreiſes hinreichend war.

So floß faſt ein Jahr in dieſer Art ſanft da⸗ hin; nachdem trat eine außerordentliche Veraͤnderung ein. Des Oberſten Geiſt ſchien ſich ploͤtzlich zu um⸗ woͤlken; er nahm eine andere Lebensweiſe an, wurde ſtill und nachdenkend; zerſtreut im Kreiſe der ihn ge⸗ legentlich beſuchenden Nachbaren, machte er doch lan⸗ ge und haͤufige Reiſen, um ſeinem Vorgeben nach,

abweſende Freunde zu ſehen, aus deren Geſellſchaft er eben ſo ernſt und traurig zuruckkehrte, wie er hin⸗ gegangen war.

Haͤufig brachte der Laird ganze Wochen tief in den Hochlanden auf einſamer Jagd zu, wo er eine elende Huͤtte bewohnte, und ſeine einzige Nahrung in dem Wilde beſtand, das er ſchoß, und dem Waſ⸗ ſer, aus der Bergquelle geſchoͤpft; natuͤrlich verlor er ſein munteres Ausſehen, waͤhrend er unter dem Ein⸗ fluſſe dieſer ſeltſamen Gemuͤthsſtimmung ſtand. An⸗

*) Der Titel der ſchottiſchen Barone