Ob nun gleich die Vorgaͤnge in Belgien und Luttich der Staatskunſt Preußens nicht fremd blie⸗ ben; ſo beruͤhrten doch die Ereigniſſe in Polen, und der von Rußland und Oeſtreich gemeinſchaftlich ge⸗ fuhrte Krieg gegen die Pforte, die politiſchen Intereſſen Preußens unmittelbar und hochſt folgen⸗ reich.
Beide Reiche, Polen und die Tuͤrkei, hat⸗ ten ſich nach ihren innern Verfaſſungs- und Ver⸗ waltungsformen uͤberlebt; ſie waren alſo, nach dem unveraͤnderlichen Naturgeſetze der Kraftloſigkeit ver⸗ aiternder Körper, auch in ihrer äußern Ankuͤndigung kraftlos, und in ihrer Stellung zu dem Auslande minder wichtige Bundesgenoſſen. Doch blieb die Erhaltung der Selbſtſtandigkeit Polens eine weit wichtigere Aufgabe fuͤr die Staatskunſt Preußens, als ein Buͤndniß mit der Pforte. Denn Polen war der unmittelbare Nachbar Preußens, und ſeit zwei Jahrzehnten vielfach von Rußland abhaͤngig, beſonders ſeit der ſogenannte permanente Rath zu Warſchau von dem ruſſiſchen Geſandten geleitet ward. Uebrigens war es fuͤr Preußen nicht gleich⸗ guͤltig, daß Rußland in dem Jahre 1780 die Er⸗ neuerung der ſechszehnjaͤhrigen Verbindung mit Preußen abgelehnt, und deſto genauer ſich Oeſtreich angeſchloſſen hatte. Dazu kam, daß, waͤhrend im osmaniſchen Reiche an nichts weniger, als an die zritgemaͤße Umgeſtaltung des veralteten innern Staatslebens gedacht ward, unter dem edlern und gebildeten Theile der Polen ein Geiſt ſich regte, der die Wiedergeburt des innern Staatslebens und die Befreiung von dem harten Drucke Rußlands beab⸗ ſichtigte. Wohl erkannten die Männer der polni⸗ ſchen Freiheit und Selbſtſtäͤndigkeit, theils daß der


