den geſteigerten Beduͤrfniſſen, erhoͤht wurden, war zeitgemaäß; denn wer fuͤr den Staat lebt, muß auch von dem Staate leben; auch daß eine In⸗ genieurakademie zu Potsdam, eine Artillerieakademie zu Berlin, eine chirurgiſche Pflanzſchule und eine Veterinärſchule ins Leben trat, entſprach den For⸗ derungen der fortgeſchrittenen Zeit.
Allein ein unverkennbarer Ruckſchritt von der Bahn, auf welcher Friedrich II. die feſtere Begruͤn⸗ dung der geiſtigen Entwickelung ſeines Volkes, und die Aufrechthaltung der innern und aͤußern Sicher⸗ heit durch den von ihm geſammelten Schatz zu er⸗ ſtreben geſucht hatte, war der eigenmaͤchtige, dem Geiſte des Proteſtantismus widerſprechende, Ein⸗ griff in das Gebiet der religiöſen und kirchlichen Frei⸗ heit durch das Religionsedict, die Lähmung des freien Wortes durch Beſchräͤnkung der Preſſe, und die Verſchwendung des geſammelten Schatzes.
Friedrich II. ſprach, am Abende ſeines Lebens, im Jahre 1781 in der an ſeinen Miniſter Hertz⸗ berg gerichteten Schrift:„Verſuch uͤber die Regierungsformen und uͤber die Pflich⸗ ten der Regenten“ das große Wort aus: „Wenn man bis zu dem urſprunge der Geſellſchaft hinauf ſteigt; ſo iſt es einleuchtend, daß der Re⸗ gent ſchlechterdings kein Recht uber die Meinungen der Buͤrger hat. Muͤßte man nicht wahnſin⸗ nig ſeyn, wenn man ſich vorſtellen wollte, daß Menſchen zu einem ihres Gleichen geſagt haͤtten: wir erheben dich uͤber uns, weil wir gern Sklaven ſeyn wollen, und wir geben dir die Macht, unſere Gedanken nach deiner Willkühr zu lenken. Sie ha⸗ ben vielmehr geſagt: wir beduͤrfen Deiner, um die Geſetze aufrecht zu erhalten, denen wir gehorchen


