Teil eines Werkes 
3. Bändchen (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

120 ſtand noch Frieden zu ſchließen, und ſich, im Falle eines Angriffes, mit 12,000 Mann zu unterſtutzen. Doch ſollten, dafern Rußland von der Krimm, Preußen vom Rheine her bedroht wuͤrde, ſtatt der Mannſchaft Huͤlfsgelder gezahlt werden, die bei der Kaiſerin auf 400,000 Rubel, bei Friedrich auf 480,000 Thaler geſotzt wurden. In geheimen Be⸗ dingungen ward verabredet, daß der polniſche Thron ein Wahlthron und die bisherige Verfaſſung Po⸗ lens unveraͤndert bliebe, ſo wie daß beide gemein⸗ ſchaftlich die Wahl des Grafen Poniatowski unter⸗ ſtutzen wollten. Verſichert der Zuſtimmung Fried⸗ richs in dieſe Wahl, erſchien darauf ein ruſſiſches Heer zur Erhaltung der Wahlfreiheit in Po⸗ len, und beſetzte Warſchau, wo alle die als Stoͤrer der öffentlichen Ruhe behandelt wurden, welche ſich gegen die Wahl des Stanislaus Auguſtus erklärten. So beſtieg derſelbe am 7. Sept. 1764 den unſichern polniſchen Thron. Er war, bei viel⸗ ſeitigen Kenntniſſen und bei manchen guten perſoͤn⸗ lichen Eigenſchaften, doch, nach ſeiner Charakter⸗ ſchwäche, der fur die bevorſtehende Aufloͤſung eines im Innern peralteten Reiches geeignetſte Mann. Sogleich nach ſeinem Regierungsantritte forderte Katharina von dem polniſchen Reichstage die Her⸗ ſtellung der vormaligen, in mehrern Vertraͤgen be⸗ ſtätigten, Rechte der Diſſidenten in Polen, zu welchen alle gehoͤrten, die nicht Katholiken waren. Allerdings waren, unter dem maͤchtigen Einfluſſe der Jeſuiten, in den letzten funfzig Jahren die ſo⸗ genannten Akatholiken in Polen vielfach beſchrankt und gedruͤckt worden; das furchtbare Thorner Blut⸗ bad vom Jahre 1724, deſſen weiter oben gedacht ward, ſtand mit Feuerſchrift in der Geſchichte Po⸗