feſt in ſeinem ſtreng orthodoren kirchlichen Glauben; doch ohne andere Kirchen, ja ſelbſt einzelne Secten, in ihren Ueberzeugungen und burgerlichen Rechten zu beeintrͤchtigen, oder ſelbſt Myſtiker zu ſeyn. Kräftige Naturen, wie Friedrich Withelm, bedür⸗ fen eines dogmatiſch abgeſchloſſenen Glaubens und Kirchenthums, und taugen nicht für die widerlichen Honigkuchen des, in bloßen Gefuͤhlen oder intelle⸗ ctuellen Anſchauungen ſchwelgenden, Myſticismus. Friedrich Wilhelm ward von ſeinen Voͤlkern nicht geliebt; allein man nannte ihn, wegen ſeiner hochruͤhmlichen perſoͤnlichen Eigenſchaften, mit Ach⸗ tung, und, wegen ſeiner Strenge und Leidenſchaft⸗ lichkeit, nicht ohne Furcht. Treu in der Ehe, von einfachen, geraden Sitten; hart in der Erziehung ſeiner Familie, wobei es ſeinen Kindern bisweilen ſelbſt an den erlaubten Vergnuͤgungen des Lebens fehlte; frei vom Stolze, ſo daß ihn der Geringſte ſeiner Unterthanen antreten durfte und von ihm ge⸗ hört ward; Begrunder einer feſten Ordnung in der Gerechtigkeitspflege und in der Finanzverwaltung,
damit Jedem ſein Recht widerfuhre und alle Abga⸗
ben, die er freilich bedeutend erhoͤhte, fuͤr ihre Be⸗ ſtimmung verwendet wuͤrden; Schoͤpfer eines gut eingeuͤbten ſtehenden Heeres, und Urheber eines ſtren⸗ gen Werbeſyſtems mit feſtgeſetzten Werbecantonen fur jedes Regiment, und mit beſonderer Vorliebe fur korperliche Länge ſeiner Gardiſten, ohne doch kriegsluſtig zu ſeyn, und durchgehends ſelbſtthätig, damit nichts ohne ſeine Zuſtimmung geſchähe;— ſo war Friedrich Wilhelm auf dem preußiſchen Throne. Unter ihm erhielt das ganze innere Staats⸗ leben feſte Formen, innerhalb deren es ſich be⸗ wegen mußte; doch vernachlaſſigte der Koͤnig den


