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Erzählungen für Regentage / Eduard Plouvier ; mit einer Vorrede von Georges Sand ; uebertragen von Julius Würzburger
Entstehung
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Dieſer Freund iſt jung, blond, ſchlank und von einer Anmuth und einem Glanze ohne Gleichen auf der Wett. Er iſt Dichter wie Sie, mehr wie Sie, wiſſen Sie es wohl; und er hat ſchon mehr producirt, als Sie ohne Zweifel jemals produciren werden.

Wie reizend er eben war in dieſem Alcoven, den er durch ſein Lächeln bezauberte! wie anmuthig er mit mei⸗ nen aufgelösten Haaren ſpielte! wie ſüß er meine nack⸗ ten Schultern und Arme liebkoste! Ach! als er ſchön wie der Frühling, glück⸗ und liebesathmend kam, empfing ich ihn wie einen vom Himmel kommenden Troſt.

Auf dieſe Geſtändniſſe überlaſſe ich Ihren Gedanken alle Freiheit, Fabius; vermuthen Sie was Ihnen be⸗ liebt, ich werde nichts abläugnen, und überhäufen Sie mich mit Vorwürfen und Verwünſchungen, Sie werden ohne Zweifel Ihr Unrecht ſehr bald einſehen, da ich die⸗ ſelben Vorwürfe1 und Verwünſchungen gegen Sie richten könnte. Leben Sie alſo glücklich mit Ihrer koſtbaren Geliebten, mit dieſer gelehrten Buhlerin! Ich werde ſehr glücklich mit meinem jungen Freunde ſein, der ſeine Lau⸗ nen immer vergeſſen zu laſſen weiß.

Wenn Sie noch manchmal Verlangen tragen ſollten, Madame Stenia zu beſuchen, ſo kommen Sie, ich bitte Sie, des Tags und in den Stunden meiner Geſellſchaft. Ich empfange Freitags, aber man kann mich gewöhnlich einen Augenblick am Morgen zwiſchen zwei und drei Uhr ſehen. Sie können nicht an dem Vergnügen zweifeln, mein Herr, das wenn ſie Sie ſieht, immer empfinden wird

Ihre getröſtete Freundin Stenia.