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Erzählungen für Regentage / Eduard Plouvier ; mit einer Vorrede von Georges Sand ; uebertragen von Julius Würzburger
Entstehung
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VII.

Fabius!

Ihr Freimuth hat den meinigen erweckt. Sie wa⸗ ren ſchuldig und ich war es nicht minder als Sie. Ich kann es Ihnen heute geſtehen, da das Bewußtſein Ihrer Schuld Sie weniger ſtreng gegen meinen Fehler machen wird. Da von heute an zwiſchen uns nur noch von Freundſchaft die Rede ſein kann, ſo iſt es gut, daß die unſrige mit gegenſeitiger Nachſicht beginnt.

Dennoch zögere ich ein wenig: die Erinnerung an unſern ſo zärtlichen und ſo oft geſegneten Bund macht mir dies Geſtändniß ſchwieriger als ich geglaubt habe... Doch, Muth! und um die Möglichkeit des Rückzugs kurz abzuſchneiden, wollen wir ſchnell ohne die Feder neu einzutauchen und ohne Athem zu ſchöpfen, das entſchei⸗ dende Wort ſchreiben.

Es war eine Stunde, da drang ein Freund bis in dieſes Zimmer, wo Sie allein einzutreten glaubten und ſchwang ſich in Einem Schwunge bis auf dieſes Bett, von dem ich Ihnen ſchreibe, Fabius, um dieſe liebende Stenia zu umarmen, die Sie ſo egoiſtiſch verriethen!

Dieſer Freund kömmt nun öfters am Morgen, leb⸗ haft, fröhlich und kühn. Heute war meine Thüre ver⸗ ſchloſſen, er nahm ſich nicht die Mühe, Ninette zu bitten, ihm zu öffnen: er ſtieg durchs Fenſter herein.

Wenn Sie, der ſo oft die Treue Ihrer Freunde gegen Sie rühmt, wiſſen wollen, wie hoch man die Freundſchaft achten müſſe, ſo will ich Ihnen ſagen, daß dieſer Freund einer der Ihrigen iſt; Sie haben mir ihn oft auf's Wärmſte gelobt. Habe ich mich dadurch fangen laſſen? Sie ſollen darüber urtheilen.

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