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VI.
Nachdem dieſer Brief, der die Richtigkeit der im Abſchnitte III enthaltenen Aphorisme beweiſt, vollendet war, war es ſaſt ein Uhr nach Mitternacht. Fabius ſetzte es ſich in den Kopf den Brief ſogleich an ſeine Adreſſe bringen zu laſſen. Um dies zu erzielen, gieng er hinab, um den Portier zu wecken, dem er ſofort ein bereites Geſchenk gab, worauf dieſer nun weggieng, um den Portier Stenias zu wecken. Das Ergebniß des nächt⸗ lichen Zuſammentreffens beider Portiers war folgendes: um fünf Uhr morgens las Stenia beim matten Schim⸗ mer einer verhüllten Allabaſterlampe die im Alcoven hieng, weinend Fabius Brief. Sie weinte lange. End⸗ lich trocknete fie die durch die Verletzung ihrer Seele und er⸗ wachte Wuth hervorgebrachten Thränen. Sie ſann auf Rache.
Wir ſagten, daß wir Stenia für eine erhabene Frau hielten. Sie hatte zu viel Geiſt, um zu ſchreiben; aber unter dieſen Umſtänden konnte ſie ſich nicht enthalten und ergriff gegen neun Uhr eine Feder, die bisher noch un⸗ berührt von jeder Tinte war und ein Velinblatt von un⸗ befleckter Weiße, und bewies, um der Aphorisme im dritten Abſchnitte noch einmal recht zu geben, die Wahr⸗ heit derſelben.


