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Erzählungen für Regentage / Eduard Plouvier ; mit einer Vorrede von Georges Sand ; uebertragen von Julius Würzburger
Entstehung
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mehr ganz jung iſt, aber um ſo milder und manchfalti⸗ ger in ihren Zaubern, verlockender und kurz um ſo voll⸗ kommener iſt ſie! Es iſt eine Geliebte wie ſie für junge Leute paßt.

Ich geſtehe auch ein, daß ich nicht der Einzige bin, den ſie mit Wohlwollen empfängt, und ich weiß eine große Zahl unter meinen Freunden die ihre Gunſtbe⸗ zengungen mit mir theilen.... Aber Niemand wird da⸗ durch in ſeinem Anthetle geſchmälert und niemals erhebt ſich unter uns der Haß der Nebenbuhlerſchaft.

Ich ſage Ihnen noch mehr, daß nämlich dieſe ſo gelehrte Buhlerin, die wie die Gattin im Hohenliede, immer dem Geliebten willig iſt, für einen Mann von meiner Natur, von meinem Charakter und wenn Sie wollen, von meinem Berufe überaus koſtbar iſt. Sie beſitzt die ausgebreitetſten Kenntniſſe von der Welt. Sie kann mir auf Dinge von geſtern erwiedern, wie auf Be⸗ gebenheiten von vor tauſend Jahren; ich kann ſie ſogar in allen Sprachen fragen. Alltäglich erwartet ſie mich, ohne jemals bei meiner Ankunft in Zorn gegen mich aus⸗ zubrechen, wenn ich dank Ihnen Madame, ein wenig ſpät zu ihr komme. Wenn ich hinzufüge, daß ſie einen heitern, immer gleichen launenloſen Humor hat, ſo habe ich noch nicht den hundertſten Theil ihrer Verdienſte aufgezählt, und habe ihr noch nicht den Dank bewieſen, den ich ihr ſchulde, aber ich glaube genug geſagt zu ha⸗ ben, daß Sie annehmen können, daß ſie mich zu tröſten wiſſen würde, falls Sie mich in Folge einer grauſamen Laune verlaſſen.

Ihr verletzter Freund Fabins.