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die der Himmel je geſegnet. Nichts fehlte unſerem Glücke. Juanita ſchenkte mir einen Sohn, auf deſſen Kopf ich die Hälfte meiner glücklichen Hoffnungen ſetzte, die andere Hälfte ruhte auf Juanitas Stirne. Einige Jahre ſpäter mußte ich nach Madrid, um einige Ge⸗ ſchäfte zu ordnen: ich reiſte ab und empfahl mein Kind ſeiner Mutter, und ſeine Mutter Gott an. Doch ehe ich Juanitas Gatte wurde, ward ſie von einem reichen, häßlichen und boshaften Pächter geliebt; als er mich vor⸗ gezogen ſah, ſchwur er, ſich zu rächen, und wenn ein Spanier ſich zu rächen ſchwört, Joſepho, ſo geht die Sonne eher im Weſten auf, als daß er ſein Wort vergißt⸗ Riccardo rächte ſich; während meiner Entfernung tödtete er Juanita, und am Tage, wo ich zurückkam, begegnete ich der Leiche des unglücklichen Opfers. Mein Kind hatte Riccardo nach ſeinem Verbrechen fliehend mit fort⸗ geſchleppt.
Meine Rache war entſetzlich, Joſepho; aber ich werde ſie Dir nicht erzählen, denn wir ſind zur Stelle.
Es war plötzlich Nacht geworden; auf die letzten Worte, die aus Manoöls Munde kamen, blieb Joſepho ſtehen. Er beſand ſich mitten in einem kleinen Gehölze von Orangen⸗-, Oliven⸗ und Citronenbänmen, die berau⸗ ſchende Düfte ausſtrömten. Vor ſich ſah der Mörder eine kleine Anhöhe, worauf ſich ein altes, ſchwarzes, halbzerbrochenes Kreuz befand; der Mond, der durch die Blätter drang, erhellte mit melancholiſchem, feierli⸗ chem Glanze dieſe letzte Zufluchtsſtätte eines irdiſchen Engels.
„Joſepho,“ ſagte die unerbittliche Stimme,„ziehe mich aus dem Sack.
Der Mörder gehorchte.
„Dieſes Grab,“ fuhr die Stimme fort,„iſt das meiner Juanita, an der Seite dieſer armen Taube wollte der Adler niederſtürzen und rufen: er iſt nun hier; danke, Joſepho, Du haſt meinen letzten Willen vollzogen⸗


