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Erzählungen für Regentage / Eduard Plouvier ; mit einer Vorrede von Georges Sand ; uebertragen von Julius Würzburger
Entstehung
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ſten, nicht wahr! Willſt Du, daß ich, um ſie abzukür⸗ zen, Dir eine alte Geſchichte erzähle?

Der Mörder hatte keine Stimme mehr zum Ant⸗ worten

Ehe ich damit zu Ende komme, werden wir ohne Zweifel angekommen ſein, denn ich athme bereits den Duft der Orangen und Citronen, die die Stelle umge⸗ ben, die ich wiederſehen will. Fort, Muth; höre mir zu und gehe immer weiter:

Vor dreißig Jahren hatte ich Dein Alter; wie Du war ich ein ſchöner junger Mann mit langen ſchwarzen Haaren, mit flammenden Augen und mit einem friſchen lächelnden Munde; wie Du hatte ich auch ein glühendes Herz, und einen raſchen, hellen, gedankenvollen Geiſt, und wie Du, wenn Du auf den Feſten der Dörfer, die die Gebirge umgeben, Sequidillos tanzteſt, ſah ich oft die Augen eines ſchönen Mädchens mit dem ſüßen Aus⸗ drucke der Liebe auf mir ruhen. Ich war damals kein Bandit, und lebte frei, ſorglos und glücklich, nachdem ich die Erde in dieſer reichen Gegend von Valencia be⸗ baute. Am Tage arbeitete ich; am Abend ſtreckte ich mich aufs Gras und bewunderte die Sterne, von denen mir meine Mutter ſagte, daß ſie ebenſoviele Blicke Got⸗ tes ſeien; oder ich legte mich auch wohl an den Ufern des Guadalawier nieder und überließ mich beim Anblicke des fließenden Waſſers langen Träumereien. Am Sonn⸗ tag erwartete ich die Liebe meiner ſchönen Valencianerin und dachte oft, daß es in ganz Spanien keinen Men⸗ ſchen gebe, der ſich glücklicher nennen könnte, als Manoöl Aguila. Eines Abends, es war, wie ich mich erin⸗ nere, am Feſte San⸗Murillo, tanzte ich einige Boleros mit einem Mädchen, deren Augen ſüßer waren, als die der Jungfrau in unſerer Kircheß ſie hieß Iuanita. Am folgenden Sonntag tanzte ich nur mit ihr, und am näch⸗ ſten San⸗Murillo führten wir die beſte Haushaltung,

Plouvier, Erzählungen für Regentage. 19

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