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Erzählungen für Regentage / Eduard Plouvier ; mit einer Vorrede von Georges Sand ; uebertragen von Julius Würzburger
Entstehung
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mit jenem liebevollem Tone, den er nur für Dich hat, ſeinen Sohn nennen!

Eile, ſchöner Jüngling, ſchnell verfließt die Stunde, um nie wiederzukehren. Bald wird der Herr erwachen, und es wird zu ſpät ſein. Eile und ſchneide dieſen koſtbaren Kopf mit Deinem Dolche ab und wirf den Leichnam in die Schlucht; Alles wird gethan ſein und Dein Glück ge macht.

Freund, hörſt Du den Donner nicht? Gott ſelbſt ſcheint Dich mit dieſer gewaltigen Stimme zu warnen, die die Welt bewegt.

Es brach in dieſem Momente ein ſchreckliches Ge⸗ witter aus; das Rollen des Donners wiederhallte in den Bergen, der Regen fiel in Strömen, der Wind durch die Bäume vrüllend, deren Stämme er krachen ließ, verfing ſich brauſend in den Abgründen, und Donner, Regen und Wind machten ein Getöſe, deſſen entſetzliche Gewalt den Kühnſten erſchreckt hätte. Von Moment zu Moment zer⸗ riſſen weite Blitze die Seiten des Himmels und erleuch⸗ teten im blutigen Glanze das Unendliche; die Elemente verſuchten ſich zu vereinigen, und man hätte glauben können, der jüngſte Tag ſei angebrochen, ſo ſehr war die Natur untereinander. Die Räuber, die an dieſe Ge⸗ witter gewohnt waren, ſchliefen noch immer; Joſepho war verſtört, und neben ihm weinte Gabriel und lachte Satan.

Es gibt Menſchen, die allein deßhalb Verbrechen begingen, weil ſie thörichter Weiſe glaubten, daß ſie da⸗ zu beſtimmt ſeien. Joſepho ſtand auf und ſagte:

Das Verhängniß treibt mich fort!

Und er wendet ſich der Stelle zu, wo der Haupt⸗ mann ruht. Der gute und der böſe Engel hängen ſich an ihn, der Eine, um ihn hinzuziehen, der Andere, um ihn zurückzuhalten: aber ſein Wille hat geſprochen, er ſteht vor Manoöls Lager.

Beim zitternden Schimmer einer eiſernen Lampe,