Druckschrift 
Erzählungen für Regentage / Eduard Plouvier ; mit einer Vorrede von Georges Sand ; uebertragen von Julius Würzburger
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

wie auf den Vorpoſten, der Dich anruft: Wer da! und zu Dir ſagt: Hab' Acht! Geh keinen Schritt mehr vor⸗ wärts, kehre zurück zu denen, die Dich haben gehen laſſen, gegen deren Willen Du vielleicht gekommen biſt: in Mitten der Deinigen bekämpfe das Schickſal; das wird hinreichend genng ſein. Was kann ich Dir noch ſagen! Unglücklicher! Paris iſt die verhängnißvolle Mühle, die unaufhaltſam Alles zermalmt, was zu ihr kömmt, um Nahrung für den Geiſt der Welt daraus zu bereiten! Du, ſchwacher Knabe, weniger als eine Aehre, als ein Kern, als ein Atom von Getreide in der Mühle, die die Menſchheit nährt, lege Dich nicht ſchlafen, unter dieſen unverſöhnlichen Mühlſtein. Er würde Alles an Dir zer⸗ malmen: Deinen Körper und Deinen Geiſt, Dein Herz und Deine Seele! Gehe, gehe, aus Mitleid für Deine Jugend, kehre um! Zerſtöre Deine Ungeduld, erſticke Deine Hoffnung, vernichte Deine Wünſche, oder wenn Du es nicht kannſt, tödte Dich ſofort, um Deine Kenſch⸗ heit, Deinen Glauben, Deine Ehre und Dich ſelbſt ganz mit Dir in das Unbekannte zu bringen.

Dieſe Stimme, die ſich allmählig bis zum prophe⸗ tiſchen Tone ſteigerte, hielt plötzlich inne. Der junge Menſch, der gebeugter Stirne zugehört hatte, erhob das Haupt; er fixirte einige Secunden denjenigen, der ihn zurückhalten wollte; dann ging er raſchen und entſchloſſenen Schrittes nach Paris hinab.

Ich ſah ihn mit einer unfreiwilligen Herzbeklemmung verſchwinden... Armes Korn vom reinen Getreide, es rollte den verhängnißvollen Abhang hinab zum Mühl⸗ teine!

Noch einen Augenblick hielt ich meine Angen auf Paris gerichtet; es ſchien mir, daß dieſe Bilder, die der Mann mit der ernſten Stimme ſveben ausgeſprochen hatte, unter meinen Augen verwirklicht wurden, und ich wartete wie um das Opfer erliegen zu ſehen, das ich

fünf Minuten vorher neben mir hatte ſingen hören.

*