Teil eines Werkes 
4. Band (1854)
Entstehung
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Du mich denn nicht, daß Du mir Deine Gedanken verheimlichſt? Siehſt Du denn nicht mehr Deinen Bruder in mir?

Ich ſollte Dich nicht lieben, mein Ritter Louis! er⸗ wiederte Waldblume mit anbetungswürdiger und naiver Entrü⸗ ſtung. Wie böſe iſt es doch, daß Du ſo was von mir voraus⸗ ſetzeſt! Mein Gott, wenn Du es durchaus willſt, ſo werde ich Dir es ſagen. Du biſt auch wirklich zu, edelmüthig und zu gut, um mich für meine Unwiſſenheit und Thorheit zu beſchämen! Sieh, mein Ritter Louis, ich habe kürzlich entdeckt, daß mein Daſein, bis ich mit Dir bekannt wurde, einem ruhigen und tiefen Schlafe geglichen habe! Aber von jenem Augenblick an wurde ich mir erſt bewußt, daß ich ein Herz habe! Von da an hat alles in der Natur für mich ein anderes Anſehen bekommen; die Blumen enthüllten mir Düfte, die ich an ihnen nicht gekannt hatte; der Geſang der Vögel bekam für mich eine ſüße Bedeu⸗ tung. Ich empfand, welch ein Glück es ſei, zu leben! Du lächelſt, mein Ritter Lauis! fügte Waldblume hinzu, ohne daß ſie es wagte, das Auge zu erheben; Du ſpotteſt meiner, nicht wahr?

Fahre fort, Jeanne, fahre fort! ſagte Morvan, von einer unbeſchreiblichen Bewegung hingeriſſen. Sterben, wäh⸗ rend man ſolche Worte hört, heißt nur die Erde verlaſſen, um in den Himmel zu kommen.

Mein Ritter Louis, erwiderte Jeanne, nach einer abermaligen Pauſe und wie von einer höhern Macht gedrängt, Du haſt Dir alſo über meinen Tod keine Vorwürfe zu machen, weil ich, bevor ich Dich gekannt habe, nicht wußte, was das Leben ſei. Soeben ſagte ich Dir, daß Du mir Leiden verurſacht haſt, nicht wahr? Und warum das? Du weißt es nicht, ohne Zweifel? Ich weiß es auch nicht. Wahrſcheinlich, weil ich Angſt hatte, Dich zu verlieren, weil ich nicht vernünftig war. Kurz, Du biſt nicht ſchuld an meinen Schmerzen. Ich muß

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