Teil eines Werkes 
4. Band (1854)
Entstehung
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und Schmerzen aufſchrien, und um den Tod baten, das Heulen des Windes, das Krachen des Kieles bildeten ein ſchauder⸗ haftes Gemiſche von Tönen. Die ſechzehn Männer, die in der Schlacht glücklich davon gekommen waren, zu wenig, um ſich einander abzulöſen, fielen vor Müdigkeit um und verrichteten ihre doppelte Arbeit: die Fregatte zu bedienen und an den Pumpen zu arbeiten nur unvollkommen; von Minute zu Minute nahm das Waſſer in der Fregatte zu, ſie ſank immer tiefer und ſegelte immer langſamer.

Laurent ſah nun, daß ohne Wunder keine Rettung mög⸗ lich ſei. Am andern Tage gleich nach Sonnenaufgang lagerte ſich eine enorme Maſſe von dunkelfarbigen mit Purpur umſäum⸗ ten Wolken zwiſchen das Licht und die Flibuſtier und hüllte dieſe in dichte Finſterniß. Gegen zehn Uhr verlor die Fregatte das Gleichgewicht und ging auf der einen Seite tiefer. Ein ver⸗ zweifelter, herzzerreißender Schrei ertönte gleichzeitig aus dem Munde Aller, die ſich auf dem Schiffe hefanden. Nun hielten ſie ſich für verloren. Mitten in dieſer ſchrecklichen Lage war Laurent ruhig geblieben, und mit einer Stimme; welche das Toſen der Wogen übertönte, rief er:

Faſſet Muth, Kinder und ſchweigt; wir ſtenern im Winde und noch ſind wir nicht verloren!

In der That erhielt die Fregatte, nachdem ſie von den Wogen mehrmals gehoben und geſenkt worden, ihr Gleichgewicht wieder. Unter zehn Schiffen, die ſich in der gleichen Lage befin⸗ den, hat kaum eines dasſelbe Glück. Da das Schiff bei dieſem Sturme nicht im Stande war, dem Winde die Seite zu bieten, ſo mußte Laurent auf die Fahrt nach Jamaica verzichten und ſich vom Winde treiben laſſen. Dieſe Aenderung der Fahrt, welche die Umſtände gebieteriſch erheiſchten, ſetzte die Fregatte noch immer der Gefahr aus, das Gleichgewicht auf's Neue z ver⸗ lieren; aber auf eine abermalige wunderbare Rettung zu zählen

2.