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biſt Du, mein Ritter Louis! fuhr ſie dann erſchrocken fort; Du biſt verwundet!
— Ja, Jeanne, aber was macht das? Werden wir nicht bald alle todt ſein!
— Was ſagſt Du? Iſt unſere Lage ſo verzweifelt?
Waldblume überflog das Verdeck mit ihren Blicken, und als ſie überall Leichen und Blut ſah, erbebte ſie.
— Laurent, ſagte ſie, wie kommt es, daß Du, ein ſo guter Kapitän, wie man ſagt, uns nicht retten kannſt? Warum ergreifſt Du vor dem Feinde nicht die Flucht?
Der Flibuſtier lächelte mit ſanftem Mitleid.
— Meine arme Jeanne, antwortete er, wenn Deine heilige Anna von Auray ſelbſt uns aus den Krallen der Spanier reißen möchte, ſo wäre ſie es nicht im Stande.
— O, welch eine ſchauderhafte Läſterung, Laurent! Ich erinnere mich eines Tages geſehen zu haben, wie ein Adler auf eine Taube niederſchoß. Lederhaube ſtand neben mir. Bei dem Verzweiflungsſchrei, den ich ausſtieß, erhob er ſeine Flinte und gab Feuer. Dem Adler war der Flügel zerſchmettert und er ließ ſeine Beute los, die Taube war gerettet.
— Nun, was ſchließeſt Du daraus, Waldblume?
— Daß, wenn eine von einem Adler ergriffene Taube ihre Freiheit wieder erlangt hat, wir, die wir noch nicht in der Gewalt der Spanier ſind, nicht alle Hoffnung verlieren dürfen.
— Dein Gleichniß hinkt, Waldblume. Lederhaube brauchte nur zu ſchießen, um die Taube zu befreien; hingegen würde ein noch ſo gut gezielter Kanonenſchuß unſere Lage in nichts ändern.
— Ich bin nicht Deiner Meinung, Laurent!— Wenn eine Kugel den großen Maſt der Gallione umſtürzte, ſo würde das Schiff ſein wie der Adler, dem der Flügel zerſchmettert wurde; unfähig zu manövriren, würde es uns nicht verfolgen können, und wir, wir werden die Taube ſein.


