waren ſich auch der wenigen Minuten zu berauben, die ihnen noch zum Leben vergönnt waren.
Die Flibuſtier kämpften mit ſolcher Wuth, waren ſo ſehr aufgeregt, daß ſie nicht bemerkten, was zwiſchen ihrem Kapitän und Morvan vorging. Die beiden Nebenbuhler blickten ſich während eines Zeitraumes von vier bis fünf Secunden ſtarr und finſter an. Dieſe drohende Unbeweglichkeit bewies, wie ſehr jeder von ihnen die Tapferkeit und Geſchicklichkeit des An⸗ dern ſchätzte. Plötzlich und zu gleicher Zeit ſtürzten beide auf⸗ einander los mit wildem Ungeſtüm. Funken ſprangen von ihren Säbeln. Nicht ein Wort wurde geſprochen. Wie groß auch die Wuth der beiden jungen Männer war, ſo beſaßen ſie doch zu viel wahren Muth um ihren Kampf einem Zufall zu überlaſſen; beide hatten, ſo zu ſagen, ihren Zorn geregelt. Der erſte An⸗ lauf hatte auch kein Reſultat. Jeder Angriff begegnete einer Parade, jede Ripoſte wurde in voraus errathen und vermieden. Laurent entwickelte ſeine tigerhafte Beweglichkeit, während Morvan alle Geheimniſſe ſeiner gründlichen Kenntniß von der Fechtkunſt in Anwendung brachte, um ſich mit einem Netz von Eiſen zu umgeben und unverwundbar blieb.
Man hätte geglaubt einen jener berühmten Zweikämpfe aus den Zeiten des Ritterthums zu ſehen, den zwei Paladine Karls des Großen auf Tod und Leben mit einander ausfochten. Dieſer erſte Gang dauerte beinahe eine halbe Minute. Indem Laurent und Morvan ſo nahe bei einander ſtanden, daß ſie ſich tödtlich hätten treffen können, ſo traten ſie in Folge eines ſtill⸗ ſchweigenden Uebereinkommens Jeder noch um einen Schritt zurück; aber der Kampf wurde nun heftiger als zuvor wieder begonnen. Der von den reißend ſchnellen Angriffen Anfangs überraſchte Ritter, begriff bald ſeines Gegners Art zu fechten; dann vertheidigte er ſich bloß und erwartete den günſtigen Mo⸗ ment zum Angriff. Dieſe Gelegenheit ergab ſich bald. Ein mit


