licher Weiſe hatte das ſpaniſche Schiff einen hohen Bord, und die mörderiſche Salve ging über den Feind hinweg; nur das hohe Tauwerk wurde hie und da von den Kugeln durchriſſen, und einzelne Stücke davon fielen aufs Verdeck nieder.
— Stellt das Kanonenfeuer ein! rief Laurent.— Be⸗ dient Euch nur der Musketen!— Ihr oben in den Maſt⸗ körben! Granaten! immer nur Granaten!— Ueberſchwemmt damit das Verdeck des Feindes!— Muthig, Kinder!— über⸗ eilt Ench nicht! Nehmt Euch Zeit zum Zielen; jeder Schuß ſoll treffen!—
Laurents Befehl die Kanonade einzuſtellen war ein Zug von Kühnheit, eine Eingebung des Genie's. Der Flibuſtier be⸗ griſſ mit ſeiner raſchen Faſſungsgabe, mit ſeinem unfehlbaren Blick ſogleich, daß er mit ſeinen acht Kanonen von ſchwachem Kaliber gegen die dreißig Feuerſchlünde des Feindes nicht auf⸗ kommen könnte. Die Havarien desſelben wären für die durch die Bedienung der Stücke zurückgehaltene Mannſchaft kein Er⸗ ſatz geweſen. Dieſelben Männer konnten vom Tauwerk, den Maſtkörben, der Schaluppe aus den Spaniern mit den Kugeln ihrer furchtbaren Flinten hundertmal mehr Schaden verurſachen, als mit ihren Kanonen. Eine halbe Stunde hindurch wurde das Feuer von beiden Seiten mit bedeutender Erbitterung fortgeſetzt. Die Flibuſtier ſchienen, von Laurent aufgeſtachelt, ſich an Zahl zu vermehren. Die Spanier, obſchon es einen lebhaften Ein⸗ druck auf ſie machte, als ſie vernahmen, daß ſie es mit dem fürchterlichen Laurent zu thun hätten, waren ſo zahlreich, und ſo trefflich ausgerüſtet, daß ſie an eine Niederlage nicht glaubten, und voll Eifer blieben.
Man muß ſich an die wunderbare Kaltblütigkeit und die unfehlbare Geſchicklichkeit der Flibuſtier erinnern, um die uner⸗ hörte Verheerung zu begreifen, welche ſie während dieſer halben Stunde bei dem Feinde anrichteten.— Zwei Hundert Spanier


